Über die Diakonische Bürgerstiftung

 

In Frankfurt-Niederrad und darüber hinaus gibt es einige Menschen, die haben einen Traum: Älteren Menschen im Stadtteil, die nicht so viel Geld haben, dennoch viele schöne Erlebnisse zu verschaffen – durch Menschen, die ihnen beistehen, und auch mit Hilfe von ein wenig Geld.

Zu den Menschen, die diesen Traum haben, gehören auch vier Stifter, Dieter Nölle, Günter Korff, das Ehepaar Kerbel und Walter Steuper aus Niederrad. Sie haben zusammen mit der Evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde in neun Monaten eines Jahres 85.000 Euro bereitgestellt, um damit die Diakonische Bürgerstiftung Niederrad auszustatten. Diese wiederum soll aus den Zinserträgen dieser Summen ganz konkrete Hilfe leisten. Ziel ist es, innerhalb eines Jahres ein Stiftungskapital von 100.000 Euro zu mobilisieren.

Doch was bewegt Stifter von Vermögen oder von Teilen eines Vermögens, das Geld in eine bestimmte Stiftung zu geben? Welche Motive bringen Menschen dazu, ihr Geld für gute Zwecke aus der Hand zu geben? Um diesen Themenkreis ging es vor kurzem auf einem Treffen des Kuratoriums der Diakonischen Bürgerstiftung, deren Vorsitz Pfarrerin Angelika Detrez hat, mit den Stiftern aus Niederrad.

Das Gespräch beginnt ganz zwanglos: Nein, den gängigen Vorurteilen, die man häufig so hat als Normalbürger, entsprechen die Stifter aus Niederrad beileibe nicht. Sie alle sind schon über 60 und fühlen sich mit Niederrad verbunden, sei es über die Eltern und die hier verlebte Kindheit, sei es, weil sie hier wohnen, teilweise bereits ein Leben lang. Muss man reich sein als Stifter? „Reich? Nein“, sagt Frau Kerbel. „Uns geht es gut, das haben wir uns hart erarbeitet, und nun haben wir uns überlegt, dass wir etwas dazu beitragen können, dass  es im Stadtteil menschlich zugeht.“

„Ich hatte einen kleinen Nachlass von meinem Vater, der hier in Niederrad wohnte. Davon wollte ich der Gemeinde etwas zukommen lassen, für einen diakonischen Zweck, für die Seniorenarbeit“, ergänzt Dieter Nölle, der die Stiftung ins Leben gerufen hat. Vor allem sollte das Geld nachhaltig wirken, nicht als Eintagsfliege, darum die Stiftung. „Bei uns in der Gemeinde in der Wetterau hat Mitte des 19. Jahrhunderts ein ehemaliger Pfarrer eine Stiftung gegründet, weil viele Leute in der Gemeinde arm waren und zu wenig zu essen hatten. Hätte er das Geld gespendet, wäre es nach drei Jahren alle gewesen, so existiert die Stiftung bis heute und bewirkt Gutes.“

Den Stiftern ist es wichtig, dass sie wissen, was mit ihrem Geld geschieht. „Es gibt so viele Bettelbriefe für Spenden“, sagt Günter Korff, das gebe oft ein unangenehmes Gefühl. Diese Stiftung mit den vertrauenswürdigen Menschen der evangelischen Kirchengemeinde dagegen schafft ein gutes Gefühl,    „da ist man anders abgesichert“.

Aber wer kann Stifter werden? Als Pensionär sei es sicher leichter, entgegnet Dieter Ruppert vom Kuratorium der Bürgerstiftung. Wenn die Kinder einmal groß seien und die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes nicht mehr da ist, dann könne man auch darüber nachdenken, mit seinem Geld etwas Gutes zu tun. Das gehe – wenn man ganz sicher gehen wolle, nicht am Ende für die Pflege doch noch viel Geld zu brauchen – auch mit einer Verfügung im Testament.

Aber reich muss man nicht sein, betont Dieter Nölle. „Zustifter, das kann im Grundsatz jeder sein.“ Vor allem müsse man ja nicht gleich große Summen geben. Auch mit kleinen Summen, die aus den Händen vieler kommen, könne man viel erreichen. Es ist aus Nölles Sicht bedauerlich, dass der Begriff Stiftung mittlerweile sehr stark mit dem Steuerspar-Motiv verknüpft ist – mit Liechtenstein und sehr reichen Menschen, die möglichst wenig Steuern zahlen wollen. Nölle: „Das hat den Ruf der Stiftungen ramponiert. Dabei haben die karitativen Stiftungen ein klares Profil!“

Der steuerliche Aspekt ist aus Sicht der Niederräder Stifter eher nebensächlich, auch wenn es natürlich gut passt, dass das gestiftete Geld von der Steuer absetzbar ist, teilweise über mehrere Jahre. Aber das wichtigste Motiv ist eindeutig zu helfen. „Wir haben heute viel mehr Menschen als gedacht, die arm sind“, sagt Frau Kerbel. Auch die Altersarmut wächst wieder. Eine Verkäuferin hat selbst nach 40 Jahren Arbeit keine hohe Rente. Oft sei die Armut unsichtbar, sagt Pfarrerin Angelika Detrez. Und es sei dann für die Menschen ein „Glück, Gemeinschaft zu erfahren“.

Genau da wollen auch die Stifter ansetzen: „Kranken Menschen Hilfestellung geben, Zuwendungen, einen Besuchsdienst unterstützen, die Begegnungsstätte „Regenbogenhaus“ fördern, gar nichts Hochtrabendes.“ So formuliert Dieter Nölle die Ziele für die Diakonische Bürgerstiftung. Und wenn dann am Ende mit dem Geld Gutes im Stadtteil bewirkt werde – „dann ist es schön, wenn man sagen kann, da habe ich auch dazu beigetragen“.

Hauke Gerlof

 

Kontakt: Diakonische Bürgerstiftung Niederrad, Pfarrerin Angelika Detrez, Vorsitzende
des Stiftungskuratoriums, E-Mail: angelikadetrez@pgg-ffm.de,
Tel.: 069/6702603