Wenn das Geben Früchte trägt

 

Wenn das Geben  Früchte trägt

Diakonische Bürgerstiftung tut viel Gutes

Drei Euro für ein Mittagessen? Klingt günstig, kann sich aber nicht jeder leisten, der von einer kleinen Rente leben muss. Von Seniorenfahrten für 13 Euro ganz zu schweigen. Dank der  Diakonischen Bürgerstiftung Niederrad können zumindest alte hilfsbedürftige oder einsame Menschen, die in dem südlichen Stadtteil rund um Uniklinik und Rennbahn leben, solche Angebote wahrnehmen – auch, wenn sie die Teilnahmegebühr nicht zahlen können.

Ganz im Sinne von Dieter Nölle, der vor gut einem Jahr den Grundstein für die Bürgerstiftung legte. 15.000 Euro gab der Niederräder damals aus dem Nachlass seines Vaters der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde. „Er wollte etwas zurückgeben, das langfristig währt“, sagt Pfarrerin Angelika Detrez. Nölles Vater hatte 40 Jahre lang in Niederrad gelebt, fühlte sich dem Stadtteil und der Kirchengemeinde sehr verbunden. Mit dem Geld sollte Pfarrerin Detrez eine Stiftung gründen, die viel Gutes für die Senioren im Stadtteil leisten kann.

Denn anders als bei einer Spende wird bei einer Stiftung das Geld nicht direkt ausgegeben, sondern angelegt. Das Vermögen bleibt so dauerhaft erhalten, da nur dessen jährliche Zinserträge für die Stiftungszwecke verwendet werden, erklärt Dieter Ruppert, pensionierter Steuerberater und Mitglied des Stiftungskuratoriums.

Im Regenbogenhaus der Paul-Gerhardt-Gemeinde werden Spiele, Unterhaltung und kulturelle Angebote für Senioren gemacht, die durch das Stiftungsgeld besser gefördert werden können. Wie Museumsbesuche, eine Theatergruppe, Vorträge bei Kaffee und Kuchen, Ausflüge in den Rheingau oder auf einen Weihnachtsmarkt sowie einmal im Monat ein Mittagstisch.

Der wird besonders gut angenommen. Etwa 30 bis 40 Senioren ab 80 Jahren kommen regelmäßig. Nicht nur, weil es für drei Euro ein frisch zubereitetes Drei-Gänge-Menü gibt, sondern auch, um sich mit Gleichgesinnten zu treffen und auszutauschen. „Meine Schwiegermutter hatte sich damals gewehrt, dahinzugehen, „wo nur alte Menschen sind“, erzählt Dieter Ruppert. „Aber als sie dann mal da war, erzählte sie lebhaft darüber, war richtig glücklich.“

Gemeinschaft erleben, nicht unsichtbar werden, wenn die Kinder verzogen sind und der Partner verstorben ist, sondern sichtbar zu bleiben, das werde angesichts des demografischen Wandels immer wichtiger, betont Angelika Detrez, Vorsitzende des Kuratoriums. So lud die Bürgerstiftung im September anlässlich ihres Jahrestages zu einem Konzert ein: Chansons und Operetten der 20er und 30er Jahre. Weltliche Musik in einer Kirche. Das kam beim Publikum gut an. Die hellblauen Kirchenbänke waren voll besetzt. Und gleich im Anschluss an das Konzert kamen zwei Ehepaare auf Angelika Detrez zu, wollten  das diakonische Projekt durch weitere Zustiftungen unterstützen.

Aus den anfänglichen 15.000 Euro sind so innerhalb eines Jahres stolze 95.000 Euro geworden.  „Wir sind überrascht, wie viele Menschen bereit sind, Gutes zu tun“, sagt Angelika Detrez. Damit noch mehr alte und hilfsbedürftige Menschen von der diakonischen Unterstützung profitieren können, bemüht sich die Bürgerstiftung weiterhin um Stifter – und um ehrenamtliche Helfer, die die kirchlichen Angebote für Senioren wie Besuchsdienste  und den Mittagstisch erst ermöglichen.

„Wir wollen einen Ausgleich schaffen zwischen den Menschen, die durch einen gut dotierten Beruf oder durch Erbschaft zu zu einem gewissen Vermögen gekommen sind und bereit sind, etwas davon abzugeben an diejenigen, die genauso tüchtig waren, aber ein ungerecht geringeres Einkommen haben“, sagt Dieter Ruppert. Menschen, die sich gegenseitig stützen, damit möglichst viele bis ins hohe Alter am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Die Idee spiegelt sich auch in dem Logo wider, das sich die Bürgerstiftung gegeben hat: Ein blauer Punkt, die Farbe der Diakonie, prangt als Blüte  auf einem Blumenstiel, der das Grün des Niederräder Wappens darstellt. Mit einem Schwung hält ein strahlend, gelber Kreis das Ganze umschlungen – ein Stadtteil hält zusammen. Judith Gratza

Diakonische Bürgerstiftung Niederrad,

Vorsitzende des Kuratoriums Pfarrerin Angelika Detrez, Kelsterbacher Straße 39, Telefon 6702603.

Regenbogenhaus der Paul-Gerhardt-Gemeinde, Schwanheimer Straße 20, Telefon 6662349.

Artikel aus der Seniorenzeitschrift 1/2011