Auf der Suche nach den Spuren der Reformation im Taunus – Ein Ausflug nach Eppstein im Taunus am 8. Juni 2017

 

Ritter Udalrich von Eppensteen empfing die Gesandtschaft aus Niederrad mit Gastfreundschaft. Mit viel Wissen aus der alten Zeit führte er die Gruppe auf ihrem Ausflug durch das kleine Städtchen Eppstein im Taunus und auf die alte Burg, die wahrscheinlich im 11. oder 12. Jahrhundert auf einer Felsnase im Tal entstanden ist. Die Niederräder, die mit der Diakonischen Bürgerstiftung des Stadtteils auf der Suche nach den Spuren der Reformation im Taunus unterwegs waren, erfuhren viel über das ursprünglich katholische Lehen des Erzbistums Mainz: über den manchmal durch Gerberei verschmutzten Schwarzbach und über die Bleichwiese, über die Stadtmauer, in die Fachwerkhäuser hineingebaut sind, und über die evangelische Thalkirche und die später entstandene katholische Kirche.

Später entstanden deshalb, weil im Jahr 1529 die Reformation in Eppstein zu den Leuten kam. Ursache dafür war wohl, so heißt es, dass die Bürger die von den katholischen Pfarrern damals verbreiteten drastischen Bilder vom Fegefeuer, die ihnen Angst machen sollten, leid waren. Kurzerhand vertrieben sie die alten Pfarrer aus der Stadt, glücklicherweise weitgehend unblutig, und setzten einen evangelischen Pfarrer ein. Später mussten die Eppsteiner Katholiken immer zur Burg hochgehen, um dort in der Kirche ihren Gottesdienst zu besuchen. Erst im 19. Jahrhundert entstand auch für sie eine Kirche im Tal.

Einen kleinen Einblick darein, wie es damals, zwölf Jahre nach dem Thesenanschlag in Wittenberg, zugegangen sein könnte, erhielten die Niederräder durch eine Lesung aus dem historischen Roman „Das Ende des Fegefeuers“ von Wolfgang Ulrich, gelesen durch den Autor und durch Pfarrerin Angelika Detrez, zugleich Vorsitzende des Kuratoriums der Bürgerstiftung.

Sehr plastisch beschreibt Ulrich in seinem Buch, was die Bürger von Eppstein bewegte, wie der evangelische Pfarrer Jakob Probus es schafft, sich mit seiner Glaubensrichtung durchzusetzen, und nicht zuletzt, wie die neuen Protestanten sich im Gesang der neuen (Luther-)Lieder übten und dadurch Kraft für den Alltag gewannen.      

Für sein Werk hat Wolfgang Ulrich einen Zuschuss der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) erhalten – aus Mitteln des Titels der Reformationsdekade, wie er in der Danksagung am Ende des Buches schreibt. Im Gegenzug wolle er „mit Lesungen und Buchverkäufen einen kleinen Beitrag zur Lutherdekade leisten“. Genau das war die Lesung für die Teilnehmer des Ausflugs der Diakonischen Bürgerstiftung Niederrad. In den historischen Mauern von Eppstein ist für die Niederräder die Reformation ein kleines Bisschen lebendig geworden.

Hauke Gerlof